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Das zweite „Forum Kunst der Neuzeit“ des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft e.V. in Bonn und dem Kunsthistorischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ist dem Phänomen der Überschreibung, Neubewertung oder Umwertung in der deutschen Kunst von der Frühen Neuzeit bis zum ersten Drittel des 19. Jh.s gewidmet.

‚Code’, ein Leitbegriff der semiotischen Analyse von Zeichensystemen, prägt Modelle der Codierung, die spätestens seit Stuart Halls Aufsatz Kodieren/Dekodieren (1977) einen zentralen Bereich auch der Kulturwissenschaften darstellen: Die Übertragung einer Nachricht müsse kontextgebunden analysiert werden, der Empfänger oder Konsument habe ebenso großen Einfluss auf den Produzenten wie umgekehrt. Luhmann definierte Kunst nicht als Summe der Artefakte, sondern der Kommunikationen über Kunst, Umberto Eco wies in La struttura assente (1968) auf die Bedeutung visueller Codes für die Verbindung von Bedeutungs- und Ausdrucksebene hin.

Kölnisches Stadtmuseum: "Maskenball in der Residenz zu Bonn, Inneres des Hoftheaters (Kurfürsten-Schloss)" von Franz Rousseau [KSM 1929/1141, Köln]

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Tagungsthema

In welchen Bereichen frühneuzeitlicher deutscher Kunst kommt es zu Umwidmungen und Umwertungen? Das Konzept der Codierung soll erstmals grundlegend anhand kunsthistorischer Problemfelder definiert und diskutiert werden. Ausgehend von der soziologischen, semiotischen und medienwissenschaftlichen Definition ist zu konstatieren, dass Kunstwerke, ob Gemälde, Medaille, Radierung, in den meisten Fällen eine Codierung, Decodierung oder Umnutzung erfahren, durch neue Besitzer, einen veränderten räumlichen Kontext (Museum, Kupferstichkabinett, Bibliothek, Archiv), aber auch durch bauliche Veränderungen. Bereits bei der kunsthistorischen „Dokumentation“, bei der Fotografie, findet eine Codierung statt. In welchen Kontexten ist Codierung von Farbe zu konstatieren, welche Artefakte wurden einer Codierung von Nationalität/Ethnie/Geschlecht unterworfen? Wie funktionieren Überschreibungen/Neucodierungen im Bereich der Kunsttheorie oder der Künstlerbiographik?
Welche Schulen haben innerhalb der Fach- und Wissenschaftsgeschichte spezifische Codierungen geprägt, gefestigt, revidiert? Welchen Anteil daran hat die spezifische Situation territorialer Zersplitterungen, konfessioneller Konflikte, des Verhältnisses von Peripherie und Zentrum im Alten Reich? Die Praxis, die Kunstwerke einer Epoche unter einem einzigen Begriff wie ‚Deutsche Reformationskunst’ oder ‚Deutsche Aufklärungskunst’ subsumiert, impliziert auch eine Codierung der Medien, die erst in der Zukunft – im Rückblick – erfolgen kann. Lassen sich Codes für die Jahrhunderte der Neuzeit für das Alte Reich und im Vergleich hierzu Gemeinsamkeiten und Unterschiede bezogen auf Nachbarländer oder die sogenannte Neue Welt ausmachen? Auch aktuelle Positionen im Bereich der Sammlungsgeschichte und Provenienzforschung wie auch der Wissenschaftsgeschichte im Hinblick auf Codierung und Umwertung sollen innerhalb der Tagung verhandelt werden.

Konzeption und Organisation:

  • Wolfgang Augustyn (München)
  • Dorothea Diemer (Augsburg)
  • Roland Kanz (Bonn)
  • Birgit Ulrike Münch (Bonn)
  • Andreas Tacke (Trier)

Mitveranstalter